Bewegung steckt in unseren Genen
Je nachdem, ob man den Homo Habilis oder den Homo Erectus als Vorfahren des heutigen Menschen sieht, sind wir zwischen 1,3 und 2,3 Millionen Jahre alt. Und wir waren immer in Bewegung. Jagend und suchend nach Mitteln zum Überleben.
Diese damals dominierende Art wurde von dem rund 300.000 Jahre alten Homo Sapiens sukzessive verdrängt. Aus Afrika stammend breitete sich nomadisierend der moderne Mensch langsam über die ganze Welt aus und drang mit zunehmender Technik auch in lebensfeindliche Gebiete, wie die Arktis vor. In täglichen kilometerweiten Wanderungen mussten immer wieder neue fruchtbare Gebiete und Wild gefunden werden. Der Homo sapiens war immer in Bewegung bis wir uns vor rund 13.000 Jahren niederließen und den ersten Ackerbau und Nutztierhaltung betrieben.
Über Millionen Jahre hat die Evolution bis heute einen fantastischen Organismus entwickelt, der ohne größere Probleme 100 Jahre alt werden kann und sich dabei im Schnitt alle sieben Jahre vollständig von innen heraus erneuert. Unser Körper ist ein beeindruckend komplexes System, dass wir immer weiter erforschen. Wir sind dabei die Genetik und Epigenetik zu entschlüsseln und möglicherweise bald in der Lage aus Stammzellen jede Art von Körperzelle herzustellen. Es ist nicht mehr unwahrscheinlich, dass wir in Zukunft die Möglichkeit haben werden, den Alterungsprozess aufzuhalten und unseren Körper mit frischen Zellen zu versorgen. Doch bevor es soweit ist, dass wir unseren Körper technologisch verjüngen, gibt es eine simple Erkenntnis, die weiterhilft: Der überwiegende Teil der Krankheiten unserer modernen Gesellschaft lässt sich durch Bewegung vermeiden.
Der homo oeconomicus bewegt sich wenig
Seit Beginn der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts in England ist der sich bewegende Mensch auf dem Rückzug. 1886 wurde das Patent des Motorwagens Nummer 1 von Carl Benz erlassen. Das Automobil von dem griechischen autos, selbst, und dem lateinischen mobilis, beweglich, hergeleitet, also sich selbstbewegend, war der Anfang vom Ende des wandernden Menschen. Millionen Jahre an tägliche Bewegung gewöhnt, wird in den letzten Jahren die natürliche Bewegung immer weiter eingeschränkt.
Aus dem Bett zum Frühstück, mit dem Aufzug in die Tiefgarage, mit dem Auto zur Arbeit, rein in den Fahrstuhl, ins Büro, sitzend bis zur Mittagspause, mit wenigen Schritten in die Kantine, Nahrungsaufnahme, zurück auf den Schreibtischstuhl und zum Feierabend mit dem Auto nach Hause, Abendessen und dann ins Bett. Dies mag ein Extrembeispiel sein, allerdings scheint mit dem jüngst immer beliebter gewordenen Home-Office, bei dem Bett und Schreibtisch nur wenige Meter auseinander liegen, die Unbeweglichkeit noch weiter zu kulminieren. Dabei sind die positiven Aspekte der Bewegung offensichtlich.
Bewegung und Muskeln
Durch regelmäßige körperliche Bewegung bauen sich die Muskeln auf und stützen unseren Knochenbau. Haltungsschäden werden vermieden und die Muskulatur sorgt für Stabilität. Der Rücken und die Gelenke werden weniger belastet und fangen nicht an zu schmerzen.
Das mobile System Körper, dass auf Bewegung ausgelegt ist, fühlt sich wohl. Mehr Muskeln führen zu einer besseren Verdauung und einer effizienteren Energieverwertung. Genügend Bewegung schützt vor Übergewicht der Krankheit Nummer 1 unserer weit entwickelten Gesellschaft. In Deutschland gelten immerhin 61% der Männer und 47% der Frauen als übergewichtig und 17% der Erwachsenen als adipös. In den USA sind sogar 74% der Erwachsenen übergewichtig oder adipös und in den anderen industrialisierten Ländern sieht es ähnlich aus.
Bewegung heißt gesund sein
An der Spitze der Gesundheitsprobleme der industrialisierten Welt stehen chronische Krankheiten wie Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs. Bei vielen Menschen wäre dies vermeidbar. Denn Bewegung stärkt das Herz, senkt den Blutdruck und verbessert die Blutfettwerte. Regelmäßige Aktivität baut Körperfett ab und steigert die Insulinsensitivität und senkt damit das Risiko für Diabetes deutlich. Körperliche Belastung fördert den Knochenaufbau und beugt Osteoporose vor. Gleichzeitig stärkt sie Muskeln und Gelenke, was die Mobilität und das Gleichgewicht verbessert. Das Immunsystem wird unterstützt und die Produktion von Abwehrzellen gefördert. Regelmäßige Bewegung senkt außerdem nachweislich das Risiko für bestimmte Krebsarten.
Bewegung macht glücklich
Auch der zweite Platz der Gesundheitsprobleme unserer modernen Welt, die psychische Gesundheit, kann durch Bewegung beeinflusst werden.
Die Stresshormone Cortisol und Adrenalin werden in Stresssituationen ausgeschüttet, um kurzfristig Energie bereit zu stellen. Durch Bewegung wird diese Energie genutzt und die Stresshormone abgebaut und der Körper entspannt. Zusätzlich setzt Bewegung Glückshormone wie Endorphine und Serotonin frei. Sie verbessern die Stimmung und steigern das Wohlbefinden. Sie sind die natürlichen Antigonisten der Stresshormone.
Sportliche Betätigung verbessert die Konzentration, das Gedächtnis und die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit. Sie fördert die Neuroplastizität und den Erhalt kognitiver Funktionen im Alter.
Last not least schlafen wir schneller ein und schlafen tiefer nach körperlicher Bewegung. Gleichzeitig steigern wir die täglich zur Verfügung stehende Energie und verspüren weniger Müdigkeit. Das Erreichen von Fitnesszielen und die Verbesserung der Körperlichen Leistungsfähigkeit steigern tendenziell das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl. Auch können gemeinsame Aktivitäten oder Gruppensportarten soziale Kontakte fördern und das Gefühl der Zugehörigkeit stärken.
Bewegen ist King, regelmäßig bewegen ist King Kong
Wer jetzt noch nicht direkt losläuft, dem hilft vielleicht folgendes. Den inneren Schweinehund überlistet man am einfachsten mit kleinen Bewegungseinheiten am Tag. Einfach mal die Treppen gehen, eine oder zwei Stationen früher aus dem Bus aussteigen oder auch zu Fuß einkaufen. Den Hackenporsche gibt es heutzutage auch in cooler Version. Es reichen schon 30 Minuten Bewegung am Tag. Regelmäßigkeit in der Bewegung ist alles. Jeden Tag ein wenig mehr. Das über Millionen von Jahren fein austarierte System des menschlichen Körpers hat keinen Bewegungsmangel verdient. Kleinste Trainingseinheiten werden mit innerem Wohlfühlen und Zufriedenheit belohnt und fördern die Ausgeglichenheit von Körper und Geist.
Und es ist auch richtig und wichtig Bewegung und Beweglichkeit je älter wir werden grundsätzlich zu steigern. In unserer bewegungsarmen Kultur ist der tägliche Spaziergang ein großartiger Ausgleich und die beste Präventivmassnahme für einen Verlängerung der Gesundheitsspanne. Also raus aus der Komfortzone und hinein ins Wohlfühlen durch Bewegung.
Bewegung ist definitiv Longevity!